kunst am bau dierdorf 2022

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Von Bäumen, Leitern und Treppen

Idee: Das Treppenhaus des Neuen Rathauses von Dierdorf ist ein meditativer Rückzugsort, wo Kunst und Philosophie zusammenkommen. Hier soll es nicht um Verwaltung gehen. Hier wird eine Auszeit angeboten. Die Gäste bevorzugen das entschleunigte, literarische, künstlerische Treppenhaus vor dem schnellen Aufzug. Das Nachdenken über Bäume, Leitern und Treppen kann beginnen, und stärkt die Menschen, bevor sie wieder zur verwaltungstechnischen Tagesordnung übergehen müssen.

Malerei/Zeichnung an den Wänden des Treppenhauses von Veronika Olma
Lesungen/Hörspiele/Filme von Rainer Furch und Hannelore Bähr (mit QR-Code/NFC-Tags im Rathaus abrufbar)

Die Liste der Naturdenkmale in und um Dierdorf ist angefüllt mit vielen schützenswerten, alten Bäumen, darunter die Zolleiche, die Walpodeneiche, die Kaisereiche, die „dicke Linde“ sowie Starkfichten und viele Buchen. Traurigerweise hat ein Sturm 2012 das alte Naturdenkmal „Zwillingseiche“ samt Wurzelballen umgeworfen. Diese Geschichte und der Schatz an Baumwundern ergaben den ersten Impuls für die Gestaltung des Treppenhauses im Rathaus Dierdorf und meine Arbeit: „Von Bäumen, Leitern und Treppen“.
Die Historie des Treppenbaus ist sehr alt. Bereits unsere tierischen Vorfahren haben an fast allen längerfristigen Siedlungsplätzen mit unterschiedlichen Höhenlagen Treppenartiges gebaut. Baumstämme mit eingekerbten Stufen hat man bereits im Neolithikum gefunden. Dadurch hat man sich in die Höhe bewegt. Daraus entwickelte sich wiederum die Leiter, aus der die eigentliche Treppe entstand. Neben der reinen funktionalen Ausrichtung wurde die Treppe schon bald zum gesellschaftlichen und architektonischen Ordnungsprinzip. Treppen, Steigen, Stiegen oder Stufen, haben schon immer etwas Verbindendes. In der Mythologie wie im Märchen, in der Geschichte, der Politik, Religion, in der Literatur, in der Kunst und natürlich in der Architektur.
Meine künstlerische Intervention im Treppenhaus des Rathauses von Dierdorf erfolgt auf zwei Arten:
1. Zum einen durch Malerei und Zeichnung an den Wänden, Treppenuntersichten und Decken des Treppenhauses und vor den Aufzügen in allen Geschossen. Thematisch beziehe ich mich auf die oben beschriebene Zwillingseiche, die auf der einen Seite die gesamte Höhe des Treppenhauses umfasst und hier eine neue Ehrung erfährt. Auf der gegenüberliegenden Seite zeige ich auf der gesamten Treppenhaushöhe die Walpodeneiche (südwestlich von Wienau), die ein aktuelles Naturdenkmal ist. Die Bäume werden stark abstrahiert und stilisiert direkt auf die glattgespachtelten Wände des Treppenhauses gemalt in den Farben GELB, GRÜNGRAU und GRAU. Darüber gelegt wird eine lockere, feine Zeichnung von abstrahierten Leitern und Treppen in einer weiten Landschaft mit einem grauen paintmarker direkt auf die Wand. Die Bäume sind durch die verschiedenen Geschoss-Unterteilungen auch nur in Segmenten zu sehen. Beim Besteigen der Treppen wird aber der Zusammenhang klar. Die freundliche, frische Farbigkeit kann einfach als pure Malerei gesehen werden. Die Zeichnungen auf diesen Farben, die auch den Aufzugs-Vorraum umfassen, ermöglichen eine intime Nahwirkung.
2. Zum anderen arbeite ich mit dem Thema Wort und Film, abrufbar per QR-Code und NFC-Tags. Besucher:innen des Rathauses können in diesem Treppenhaus verweilen. Sie können die Malereien und Zeichnungen der Wände in aller Stille betrachten. Und sie können mit ihrem Smartphone auf die Codes klicken und werden entführt in Geschichte und Geschichten von Treppen. Philosophische, wissenschaftliche, dadaistische, historische, literarische und humorvolle Texte werden hier vorgetragen von Rainer Furch und Hannelore Bähr. 52 verschiedene Beiträge ermöglichen es, dass pro Woche im Laufe eines Jahres jeweils ein neuer Beitrag gehört, und in kleinen Filmchen gesehen werden kann.