GOLDRESERVEN – geschätzte Werte
ai-generierter Film nach Fotografien des Leerstandes „Filserhaus“ in Enkenbach
von Veronika Olma
im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz 2026.
Ein Projekt der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern „Die Zwanziger Jahre – nicht alles, was glänzt…“
Das „Filserhaus“
Dieses Haus in Enkenbach war mehr als zwanzig Jahre lang unser Atelier. Zugleich hat es ein ganzes Jahrhundert Geschichte in sich getragen: den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Heute stehen die Räume leer. Doch die Räume bewahren Spuren und Erinnerungen – auch an Menschen, die längst nicht mehr da sind.
Zu den früheren Besitzern des Hauses gehörte der Arzt Bernhard Filser, ein Cousin der Malerin Maria Caspar-Filser. 1925 wurde sie als erste Frau in Deutschland zur Professorin für Malerei an der Münchner Kunstakademie berufen. Trotz ihrer kunsthistorischen Bedeutung ist ihr Name heute vielen Menschen kaum bekannt.
Dieses Vergessen führt zu einer grundsätzlichen Frage: Was bewahren wir – und was lassen wir verschwinden? Was wird sichtbar, was unsichtbar? Und wer entscheidet darüber, was Bedeutung und Wert besitzt? Dahinter stehen auch gesellschaftliche Machtstrukturen, die von einer männlich dominierten Ordnung geprägt sind.
„Goldreserven – geschätzte Werte“ führt diese Frage weiter: Was ist uns wirklich wertvoll? Natur, Freiheit, Freundschaft, Gerechtigkeit, Solidarität und Menschlichkeit? Oder messen wir den Wert der Welt an Geld, Besitz, Macht und Gold?
Goldene Ströme beginnen, die verlassenen Räume zu durchfluten. Wir sehen braunes Wasser und schmutzigen Schlamm, der über die Treppen fließt. Das Gold, Sinnbild von Reichtum und Dauer, wird selbst vergänglich. Was glänzt, vergeht. Was Besitz verspricht, kann verloren gehen. Und doch gibt es Werte, die sich weder besitzen noch aufwiegen lassen.
Starke Frauen treten in den Räumen auf. Sie schlagen die Pauke, blasen goldene Instrumente und setzen dem Schweigen und dem Patriarchat ihren eigenen Klang entgegen. Maria Caspar-Filser malt in meinem ehemaligen Atelier. Ihre Bilder füllen mein verlassenes Archiv; unter ihrem Pinsel verwandelt sich Farbe in Gold. Dem braunen Dreck der politischen Geschichte setzt sie die Kraft der Kunst entgegen.
Doch dieses Gold ist keine Geldanlage. Es ist die Goldreserve des Menschlichen: Kunst als Erinnerung, als Widerstand und als Ausdruck von Freiheit. Sie bewahrt, was sonst verloren gehen könnte, und gibt dem Unsichtbaren eine Gestalt.
Vielleicht liegt der wahre Wert einer Gesellschaft nicht in dem, was sie besitzt, sondern in dem, was sie achtet, schützt und an kommende Generationen weitergibt.
Deshalb beginnt und endet der Film mit dem Bild einer weiten, intakten Natur. Sie ist Grundlage allen Lebens und zugleich ein Wert, der sich ebenfalls nicht in Gold bemessen lässt.



